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Wiesbaden, Mai 2011: „Großküchen und Industriebauten fachgerecht planen und sanieren“ – unter diesem Thema fanden sich in diesem Frühjahr rund 120 Teilnehmer zum 6. Wiesbadener Planer- und Sachverständigenseminar zusammen. Das Themenspektrum der eintägigen Veranstaltung, die im Rahmen der Sopro ProfiAkademie stattfand, reichte von den planerischen Grundlagen über Fragen der Regelwerke bis hin zu Erfahrungsberichten von Planern und Sachverständigen.
Großküchen und Produktionshallen in der lebensmittelverarbeitenden Industrie unterliegen höchsten mechanischen und chemischen Belastungen. Die fachgerechte Planung der Konstruktionsaufbauten, deren Ausführung sowie die zum Einsatz kommenden Materialien sind für die Funktionsfähigkeit und Langlebigkeit von entscheidender Bedeutung. Die Sopro Bauchemie GmbH, die zu den führenden Herstellern bauchemischer Produkte zählt, hatte daher im Rahmen der Sopro ProfiAkademie eine Reihe namhafter Experten zu einem eintägigen Fachseminar mit dem Titel „Großküchen und Industriebauten fachgerecht planen und sanieren“ nach Wiesbaden eingeladen. Das Unternehmen selbst hat mit seinem Objektberatungsteam in den letzten Jahren an einer Vielzahl richtungsweisender Projekte in diesem Bereich sowohl „vorplanend als auch baubegleitend“ mitgewirkt, speziell im Gewerk der Abdichtungs- und Fliesenarbeiten - so Dipl.-Ing. (FH) Mario Sommer, Leiter der Sopro Architekten- und Objektberatung, bei der Begrüßung der rund 120 Seminarteilnehmer.
Dipl.-Ing. (FH) Stephan Wehrle vom Institut für Bautenschutz, Baustoffe und Bauphysik aus Fellbach betrachtete die Großküche zunächst aus der Sicht des Sachverständigen. Ob unterschiedliche Bauweisen, Werkstoffe, ob Aufbauvarianten oder Anschlüsse - für ihn steckt das Problem stets im Detail. „Jedes Detail bedarf der Planung“ - so der Referent in seinem Fazit. Für gleichermaßen wichtig hält er eine intensive Aufklärung des Bauherrn über die Vor- und Nachteile von Bauweisen sowie eine Kontrolle der Arbeiten vor Ort. Letzteres, so Stephan Werle, „ist ein24-Stunden-Job“. Gleich richtig in die Detailplanung ging es dann bei Dipl. Phys. Oliver Erning, der sich der „Bemessung von höher belasteten Fußbodenkonstruktionen mit teilweiser Fahrbeanspruchung“ beschäftigte. Der Leiter des Instituts für Baustoffprüfung und Fußbodenforschung (IBF) in Troisdorf und Obmann des Normenausschusses Estriche im Bauwesen kam gleichermaßen zu dem Fazit, dass höher belastbare Fußbodenkonstruktionen eine besonders sorgfältige Planung erfordern. Dabei darf, so der Referent, „die Bemessung nicht bei der Nenndicke aufhören“. Stets ist eine objektbezogene Einzelplanung erforderlich, bei der es gilt, auch alle Partner mitzunehmen. Denn „Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert“ - so der englische Schriftsteller Aldous Huxley, den Oliver Erning am Ende seines Vortrags zitierte.
Ganz handfeste Tatsachen standen auch im Mittelpunkt der Ausführungen von Dietmar Schliemann von der Argelith Bodenkeramik in Bad Essen, der sich mit den Anforderungen an „Keramische Bodenbeläge in der Lebensmittelindustrie“ beschäftigte. Die Marke Argelith Bodenkeramik steht seit vielen Jahren für die Herstellung von keramischen Fliesen und Platten - in Form von Vollklinkerplatten und Feinsteinzeug - für hochbelastete gewerbliche Bereiche der Industrie und des Handels. Besondere Vorteile bietet dabei, wie der Referent zeigte, der Sechseckboden, sei es bei der Verteilung der Roll-Lasten, den Bruchkraftwerten oder der nahezu perfekten Gefälleausbildung durch das fast „runde“ Format der Fliesen.
 Gastgeber und Referenten des 6. Wiesbadener Planer- und Sachverständigen-seminars (von links): Mario Sommer, Helmut Lederer, Oliver Erning, Stephan Wehrle, Sebastian Kammerer, Thomas Meyer, Dietmar Schliemann und Björn Rosenau.
Wie man Fliesen und Platten perfekt verlegt, dies zeigte Dipl.-Ing. Mario Sommer in seinem Vortrag zum Thema „Verlegung von keramischen Belägen im Industriebau“. Besonders wichtig ist es seiner Ansicht nach, vor der Planung und Ausführung die Frage der Verkehrslasten und damit die Dimensionierung von lastverteilenden Schichten (Estrichen) zu klären. Ebenso die Frage, ob eine Abdichtung erforderlich ist oder nicht und welche chemische Belastungen auftreten können. Erst danach kann die Auswahl des Belagsmaterials (Keramik, etc.) erfolgen. Die Frage „Keramik oder Beschichtung“ wurde von dem Leiter der Sopro Architekten- und Objektberatung dabei ebenso angesprochen wie das Spezialthema der elektrisch ableitfähigen Keramikböden. Fachlich perfekt ergänzt wurden die Ausführungen von Mario Sommer durch den Vortrag von Dipl.-Ing. (FH) Björn Rosenau und Dipl.-Ing. Sebastian Kammerer, ebenfalls von der Sopro Architekten- und Objektberatung in Wiesbaden, die sich detailliert mit den „Abdichtungssystemen im Großküchen- und Industriebau“ beschäftigten - dies insbesondere mit Blick auf das entsprechende ZDB-Merkblatt. Dabei konnten sie zeigen, dass sich „Verbundabdichtungen in hoch feuchtigkeitsbeanspruchten Bereichen nicht nur über einen Zeitraum von über 20 Jahren etabliert und bewährt haben, sondern auch als Schutz der Boden- und Wandkonstruktionen zwingend erforderlich sind“.
Dass neben der Abdichtung auch die Entwässerung eine wichtige Rolle spielt, dies machte Dipl.-Ing. Thomas Meyer von der ACO Passavant GmbH aus Stadtlengsfeld mit seinen Ausführungen zur „Normkonformen Großküchenentwässerung“ deutlich. Er spannte den Boden dabei von den baurechtlichen und normativen Grundlagen über die Auswahlkriterien für Bodenabläufe bis hin zu den Unterschieden von Punkt- und Linienentwässerung sowie dem Spezialthema Fettabscheider.
Abgerundet wurde die Veranstaltung durch einen überaus anschaulichen Praxisbericht zu den „Erfahrungen beim Bauen von Brauereien“ von Dipl.-Ing. (FH) Architekt Helmut Lederer aus Geiselhöring. Für ihn ist es wichtig, „dass man auch weiß, was in dem Bereich passiert, in dem man nach Lösungen sucht“. Der Planer sollte sich daher zunächst die entsprechenden Kenntnisse über Betriebs- und Produktionsabläufe verschaffen. Gerade in Brauereien wird absolut sicher, sauber und biologisch gearbeitet. Reinlichkeit und Keimfreiheit haben daher absolute Priorität. Wurde früher mit Wasser, Schrubber und Putzlappen sowie Kernseife gereinigt, so sind dies mittlerweile zentrale und oft auch automatisierte verrohrte CIP Anlagen (Cleaning in Place), die über Säuren und Laugen die Reinigung durchführen. Dadurch hat sich Vieles von den Belastungen an Wänden, Decken und Böden drastisch geändert. „Man muss sich auf diese Veränderungen bei der baulichen Ausführung einstellen und diese im Vorfeld der Ausführungsplanung erkennen und entsprechend reagieren“ - so der Referent in seinem Fazit.
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